Bis März 2027 in ARD Sounds.
Ein Auerochse, auch Ur genannt, grübelt. Er denkt über seine Geschichte nach. Lange waren er und seine Genossen selbstvergessen nebeneinander hergetrabt. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass er immer weniger seiner Art traf. Erst jetzt wird ihm klar, dass er womöglich der letzte Ur ist. Camilla Renschke hat der berührenden Geschichte "Das Feld räumen" von Julia Schoch ihre Stimme geliehen. Genau wie Schoch haben sich alle Autorinnen und Autoren des Bandes je eine ausgestorbene Art ausgewählt, und machen diese auf ihre Weise wieder lebendig. Einige versetzen sich in die Perspektive der Tiere. Andere schauen aus der Perspektive von Forschern auf verschwundene Pflanzen. Wieder andere haben fantastische Geschichten entworfen. So lässt Caroline Wahl die Berliner Beutelwölfin Boa am Wannsee auf einen Luchs treffen.
Boa erschrickt. Fuck, fuck, fuck, denkt sie. Neben ihr steht ein Luchs. Ein großer Luchs. Boa hat noch nie einen Luchs getroffen, und dass sie nun ausgerechnet in Brandenburg vor der Wannsee-Villa von einem Luchs getötet wird, findet sie trist, aber irgendwie auch konsequent. Jedenfalls ist sie zu schwach und müde für einen Kampf. (…)
Boa: Ich bin ein Tier. Der Luchs: Ein ausgestorbenes. (…)
Boa: Ich bin ein Hund. Der Luchs nickt.
Der Luchs: Und sonst alles gut bei dir?
Boa: Kannst du bitte einfach schnell machen? Das ist doch sadistisch, davor noch so belanglos zu plaudern.
Der Luchs: Du bist ein Wolf, hast du denn keine Lust auf einen Kampf?
Boa: Ne, zu schwach und müde.
Der Luchs: Nein, dann macht's mir auch keinen Spaß. Und ich fresse auch keine vom Aussterben bedrohten oder ausgestorbenen Tiere.
Der Luchs: Ich bin ja kein Mensch."
Sieben ARD-Lesungsredaktionen haben die Anthologie gemeinsam in eine Hörfassung gebracht - mit einem Ensemble namhafter Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter Wolfram Koch, Nina Kunzendorf Bettina Hoppe und viele andere. Der Schauspieler Michael Rotschopf macht uns mit dem Riesenalk bekannt, den Seefahrer oft mit Pinguinen verglichen und sich wunderten, über die große Ähnlichkeit dieser Vögel mit Menschen…
Matthias Jügler ist in Hessen kein Unbekannter: Der Schriftsteller wurde 1984 in Halle geboren, er studierte Skandinavistik in Greifswald und Oslo sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Für seinen Roman "Maifliegenzeit" erhielt er 2024 den Rheingau Literatur Preis. Jetzt hat er mit dem Buchprojekt "Wir dachten, wir könnten fliegen" auf sich aufmerksam gemacht.
Buch: Penguin Verlag 2025
Produktion: MDR, NDR, WDR, SWR, BR, SR und hr2-kultur 2026
Heute, 09:30 - 10:00
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Lesung | K. Poladjan, H. Fritsch: Die letzte Mazurka
30 Min. | Gelesen von Sarah Grunert






































































